Verpacken leicht gemacht

Oder: Wie verpacke ich schnell und ansprechend eine CD ohne 2,56 m Klebefilm zu verbrauchen und mittelschwere Verletzung an den Fingerkuppen davonzutragen?

Ich spreche hier einmal ganz besonders die Herren der Schöpfung (wie man so sagt), an. Habt ihr schon mal versucht eurer Frau / Freundin / Mutter / Schwester / Cousine o.ä. eine selbstverpackte CD zu schenken? Dann  könnt ihr ja vielleicht ein Lied davon singen, wie das so ist.

CDs haben irgendwie ein seltsames Maß, so dass Geschenkpapier entweder zu schmal ist oder man die Hälfte des Bogens wegschneiden muss. Die Alternative, einfach das restliche Papier immer weiter um die CD zu wickeln, bis alles verbraucht ist, scheidet auch aus. Die CD ähnelt dann eher einem eingewickelten Brikett.

Also steht am Anfang das Ausmessen der benötigten Papiergröße. Ich gebe mal den Tipp: auf jeden Fall etwas größer schneiden, denn am Ende fehlt immer etwas! (Das altbekannte und noch ungeklärte Phänomen: „Dreimal abgeschnitten – und immer noch zu kurz“ tritt hier meist auf)

Ok, das Zuschneiden ist noch nicht wirklich eine Hürde. Der erste Papierumschlag um Vorder- und Rückseite klappt ja meist noch ganz gut. Wirklich kniffelig wird es dann an den Rändern. Wer es z.B. gewohnt ist, an seiner Kawasaki herumzuschrauben, der bekommt dort mit Leichtigkeit seine Finger an die kniffligste Stelle hinter dem Zylinderkopf ohne mit der Wimper zu zucken. Aber diese Umschläge an den Ränder einer CD, können einen (Mann) schon mal in den Wahnsinn treiben.

Sicher gibt es die Möglichkeit, einfach die Ecken einzuschlagen und das enstandene Dreieck über die CD zu klappen. Das geht schnell, einfach und man(n) kann diese Ecken dann ratzfatz mit einem Streifen Tesafilm sichern. Fertig! Passt! – Und sieht aus wie eine Butterstulle, die während der ganzen Sommerferien in einem Schulranzen gelegen hat. Damit kriegst du bei Frau / Freundin / Mutter / Schwester / Cousine o.ä. keinen Fuß auf den Boden.

Also musst du wohl oder übel die überstehenden Teile mühsam umfalten und so auf den CD Rand bringen, dass dieser in der Höhe zwar bedeckt wird, dabei aber keine Ecke über den Rand hinausragt (womit wir sonst wieder beim Abschnitt „Butterstulle“ landeten). Zuviel Papier darf aber auch nicht überstehen, sonst wird aus der Faltung eher eine Wulst, die seitlich an der CD klebt. Sieht aus wie ein Vollgummireifen, fühlt sich auch so an und du erntest bei Frau / Freundin usw. ein mitleidiges Lächeln, ob deiner Einpackversuche. – Scheidet also aus.

Gut, ich behaupte mal, dass ich in Sachen CD-Einpacken schon eine geiwsse Geschicklichkeit an den Tag legen kann. Vorraussetzung: ich habe schon zwei Stück kurz vorher eingepackt, bin also auf Betriebstemperatur, das Papier hat die richtige Stärke und – ich habe Zeit!

Doch gerade dort liegt die Herausforderung. Wenn Gäste im SCM Shop Fallersleben ihre CD als Geschenk verpackt haben möchten, dann ist dies eine Selbstverständlichkeit für uns, dass wir das übernehmen. Nun kommt aber das Thema Zeit ins Spiel. Ich schrieb ja bereits, dass – mit etwas Zeit – ansehnlich verpackte CD bei meinen Bemühungen herauskommen.

Doch vorgestern nacht hatte ich einen Traum:

Adventszeit im SCM Shop Fallersleben.

Ca. 17 Leute stehen vor dem Kassentresen. Eine Mitarbeiterin ist ausgefallen, die Bonrolle an der Kasse ist leer und muss gewechselt werden. Die Frau vor dem Tresen schaut demonstrativ auf die Uhr. Die Bonrolle rutscht mir aus den Händen und rollt über den Fußboden. Das wäre nicht so schlimm, doch ich habe ein Ende in der Hand…. ich hätte nicht gedacht wieviel Meter Papier auf so einer Rolle sein können. Ein  Kind in der Schlange vor dem Kassentresen zerrt an der Hand seiner Mutter und sagt: „Ich muss Pipi!“.

Ich trete die hinuntergefallenen Bonrolle mit dem Fuß zur Seite. Das Telefon klingelt. Ich sehe die Nummer des Lieferanten. Ich warte schon seit Stunden auf seinen Rückruf. Die dringende Bestellung wird vermisst. Ich schaue den Mann direkt vor mir mit flehenden Augen an und bitte stumm um Erlaubnis, an den Apparat gehen zu dürfen. Sein Blick sagt: „Nein!“

Ich hole eine neue Bonrolle unter dem Tresen hervor und lege sie ein. Die Frau inspiziert ihre Armbanduhr erneut und presst ihre Lippen zu einem schmalen Band zusammen.

„Ich muss Pipi!“

Die Mutter erbarmt sich und verschwindet mit ihrem Sohnemann in Richtung Kundentoilette. Sobald sie ihren Platz in der Schlange verlassen hat, wird sie von drei anderen Menschen sofort geschlossen.
Die Bonrolle sitzt, der Kassiervorgang klappt. – Alles wird gut! Ich bin erleichtert.

„Können Sie mir die CD bitte als Geschenk einpacken?“, sagt der Mann vor mir.

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Sein strenger Blick lässt, wie kurz zuvor auch schon, keinen Widerspruch zu.

Ich wage ein kurzes: „Ich bin gerade allein hier an der Kasse…“

„Bitte!“, sagt er.

Jetzt muss es schnell gehen. Die Frau blickt auf ihre Uhr und dreht die Augen zur Shopdecke.

Ich spare mir jetzt Details über den Stress beim Verpacken der CD. Ich schreibe nicht darüber, dass das Papier schon beim Abreißen von der Rolle zerfetzt. Ich verschweige auch den Tesafilmstreifen, der sich trotz größter Bemühungen nicht einhändig abschneiden läßt. Ich will auch gar nicht wissen, wie spät es ist – da kann die Dame noch so oft ihre Rolex- oder Tchibouhr prüfen. Ebenso schweige ich von dem Moment, an dem ich die Verpackung auf der ersten Seite schließen will und die CD durch ihre rutschige Folienverpackung durch das andere Ende des Geschenkpapiers flutscht. Das Geräusch der auf dem Boden zerschellenden CD riss mich aus dem Schlaf…

So etwas darf nicht geschehen!

Und darum hatte ich, als (so gut es geht) vorausschauender Mensch, die Idee, den Verpackungsprozess von CDs zu revolutionieren!

Es musste doch eine Möglichkeit geben, diese kleinen Silberlinge ohne Krämpfe im Zeigefinger, ohne Klebefilm auf der Brille und vor allen Dingen mit ganz normalem Puls in eine verschenkbare Form zu bringen.

Glücklicherweise fiel mir dann ein, dass ich ja seit Kurzem vom Arbeitnehmer- in den Arbeitgeberstatus gewechselt habe. Also nahm ich gestern Nachmittag Manuela beiseite und erklärte ihr, dass ich gerne eine Möglichkeit hätte, CDs schnell, effizient und gut aussehend zu verpacken. Ich stellte mir dabei „irgendwie“ vorgefertigte Stücke Geschenkpapier vor, die man „nur“ noch mit einer CD zu befüllen brauchte, Geschenkband herum – voila: eine CD in toller Geschenkverpackung!

Noch während ich Manuela meine Vorstellungen mitteilte, kam Nicole, unsere (zukünftige) Schmucklieferantin, in den Shop. Als kreativer Mensch war sie sofort interessiert und noch ehe ich mich versah, waren beide Damen damit beschäftigt, verschiedene Dinge zu probieren. Ich zog mich derweil zu Recherchezwecken ins Internet zurück. Dies führte dazu, dass ich meine Anforderungen an die optimale CD Geschenkverpackung noch einmal konkretisieren konnte.

Anschließend zog ich mich an meinen Schreibtisch zurück und versandte die Bestellungen für den nächsten Tag.

Nach einer ganzen Zeit riefen mich Nicole und Manuela zu sich. Sie präsentierten mir eine fix und fertige und echt klasse Verpackungsidee mit vorgefertigten Stücken Geschenkpapier, die auch noch richtig gut aussah. Was aber das für mich entscheidendste Kriterium war, ihren Vorschlag anzunehmen, war die Tatsache, dass diese Art der Verpackung auch unter Extrembedingungen (englisch: „extreme selling“ 😉 ), funktionieren wird!

Vorschlag angenommen! – Aufgabe der nächsten Tage: Anfertigung von „SCM Shop Fallersleben Geschenkpapierrohlingen für CDs“.

Was ich immer sage: Verpacken ist doch gar nicht schwer.

Bis demnächst!

Andreas

Inhaber DER christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt. Fallersleben, Bahnhofstr. 10. Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr Sa 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr

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6 Kommentare zu „Verpacken leicht gemacht“

  1. Moin Andreas! Du bestätigst mit Deinem Blog aber auch wirklich die klassicshen Vorurteile – Männer können einfach keine Geschenke einpacken ;o) Mein Tipp: Dafür gibt es doch die tolle Maschine „Simple Packet“ on CoLibrì System Deutschland (schau mal im Auktionshaus…). Funktioniert wunderbar – auch für Bücher. Und die Kids wundern sich, wie das Geschenk in die Verpackung gekommen ist…

  2. Na klar können Männer Geschenke einpacken. Sie sind immer zu und am Papier sieht man(n) auch, das es ein Geschenk ist. 🙂

  3. SCM Shop Holzgerlingen

    Sehr amüsant und wirklich kein reines Männerphänomen. Zu Beginn meiner Ausbildung habe ich mit solchen Dingen, auch als Frau, megamäßig gekämpft. Nach dem ersten Weihnachtsgeschäft, war das gar kein Problem mehr. Da ging das locker-flockig und auch im Schlaf. Nur ein Tipp am Rande: Gleich noch einen Standard entwickeln, wie man Kalender mit den Maßen 45 x 50 cm und größer einpackt 😉
    Viel Erfolg!

  4. Danke sehr!

    Kalender! – Ja, das wird eine Herausforderung ohne Frage. ich arbeite derzeit gerade an einem Verfahren Kunstdruckkalender zu Schrumpfen, um sie dann in kleine Tüten für Postkarten stecken zu können. Das automatische Entfalten auf Originalgröße erfolgt dann erst zuhause beim Käufer 🙂

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