Gesetzlichkeit erklärt

Manchmal tun wir Christen uns ja etwas schwer mit bestimmten Begrifflichkeiten. Einer davon ist die „Gesetzlichkeit“.

Was ist das eigentlich?

Die eine Sache ist es, dass es Gesetze gibt. Na klar, irgendwie muss das Zusammenleben der Menschen ja geregelt werden. Ohne Regeln herrschte Chaos. Regeln sollten auch nicht dazu dienen, andere zu unterdrücken. Vielmehr sollen sie uns doch die Grenzen aufzeigen, innerhalb derer wir uns bewegen dürfen – und können – ohne unsere Mitmenschen oder die Natur oder was auch immer durch diese Vorschriften geschützt werden soll, zu schädigen. Demnach sollten Gesetze also auch so ausgelegt sein, dass sie uns einen Spielraum geben, in dem wir handeln können. Täten sie das nicht, wären es, nach meiner Auffassung, keine Gesetze mehr, sondern Fesseln.

Nun wird man natürlich nicht für jede Kleinigkeit ein Gesetz oder eine Regelung festlegen können, obwohl es – besonders in Deutschland – manchmal den Eindruck erweckt, dass „wir Deutschen“ doch schon ganz gern wirklich ALLES geregelt wissen wollen.

Klar, wenn ALLES geregelt ist, dann brauche ich fast nicht mehr selber zu denken. Ich brauche nur die bestehenden Regelungen zu beachten und einzuhalten. So etwas KANN das Leben ja durchaus mal etwas leichter gestalten. Weiss ich einmal nicht weiter, schlage ich nach oder frage, wie ich nun zu verfahren habe. Und genau so verfahre ich dann auch. Alles hat seine Richtigkeit, ich habe mich an die Vorschrift gehalten. Gut.

Nur wollen wir das?

Die andere Sache ist, dass wirklich gute Gesetze, meines Erachtens nach, immer nur diejenigen sind, die es den Betroffenen durchaus gestatten, bei allen wohlgemeinten Absichten des Gesetzgebers, dennoch das eigene Hirn, als großartiges Geschenk Gottes zu gebrauchen und auf diese Gesetze anzuwenden. Soll heißen, sie geben uns innerhalb der von ihnen und durch sie gesetzten Grenzen noch zusätzliche Freiräume, Handlungsspielräume, die es uns gestatten, die Intension des betreffenden Gesetzes oder der betroffenen Gesetze einzuhalten und dennoch ggf. abweichend vom vorgeschriebenen Gesetztestext zu handeln, allein weil der „gesunde Menschenverstand“ uns diese Einsichten vermitteln kann oder die besondere Situation eine etwas andere Handhabung der Vorschrift nahelegt.

So hat es auch Jesus getan, als er das Gesetz, welches die Steinigung einer Ehebrecherin verlangte, zwar nicht außer Kraft setzte, die Folgen für die Ehebrecherin in jener besonderen Situation aber abwandt. Er benutzte die Situation, um den anwesenden Verurteilern und Gesetzesbefolgern einen Spiegel vorzuhalten und – bei allem Respekt und Achtung vor dem Gesetz –  einen Freiraum zu nutzen, um zum einen das Leben der Frau zu retten, ihr eine Chance zur Umkehr zu geben und dem aufgebrachten Mob Barmherzigkeit bewußt zu machen.

Die Frage ist also immer: wie weit bin ich bereit mich einem Gesetz, einer Vorschrift zu unterwerfen, wenn ich in einer besonderen Situation sie zwar anwenden müsste, sie aber überhaupt keinen Sinn ergäbe? Muss ich dann stur den Buchstabden des Gesetzes abarbeiten, komme, was da wolle?

An dieser Stelle beginnt, meiner Ansicht nach, die „Gesetzlichkeit“, die ich meine. Gesetze sind für Menschen gemacht. Sie sollen ihnen dienen und das Zusammenleben regeln bzw. erleichtern. Sobald sie soweit gehen oder – was ja nur zu häufig geschieht – so streng ausgelegt und angewandt werden, dass sie sich damit schon selber karikieren, dann sollte das menschliche Hirn in Aktion treten und sich über das Gesetz stellen.

Eine solche Regelung zum Schutz vor schädigenden Inhalten in Filmen, Computerspielen, alkoholischen Getränken etc. ist die Altersbeschränkung, die es für manche dieser Produkte gibt. Wie oft haben wir schon davon gehört, dass wieder einmal ein Supermarkt Zigaretten, Feuerwerkskörper oder Alkohol an Minderjährige abgegen hat. Für diese Fälle gibt es Vorschriften, die die Abgabe dieser Waren nur gegen Vorlage eines gültigen Ausweises zur Kontrolle des Käuferalters ermöglicht. Eine sinnvolle Anordnung, da somit leicht der Altersnachweis geführt werden kann. Bei jungen Menschen ist es für Kassierer oft auch sehr schwer das Alter einzuschätzen. Der Personalausweis leistet in diesen Fällen gute Dienste.

Wer mich kennt, weiss das ich in diesem Jahr das 51. Lebensjahr vollenden durfte. Diverse Falten und Runzeln zieren hie und da ebenfalls schon mein manchmal müdes Gesicht. Auch meine Frau, so toll sie auch aussieht, kann nicht mehr verhehlen, dass sie die 30 bereits überschritten hat. Tja, so ist das nun mal im Leben.

Gestern waren wir, da wir ja nicht blöd sein wollten, in einem großem Elektronikfachmarkt und waren auf der Suche nach einem neuen Ladegerät für den Akku unserer Digitalkamera. Wir fanden auch etwas Passendes und, wie in solchen Situationen üblich, stöberte ich dann noch durch die DVD Abteilung. Ich entdeckte tatsächlich das eine und andere Schnäppchen, dass ich mitnahm. Es handelte sich um ein Filmpaket, dessen Altersfreigabe auf ein Mindestalter von 18 Jahren gesetzt war. Mir als, wie bereits beschriebener (fast)-Mitfünfziger, war das natürlich egal. Ich wusste, was ich da nahm und es war in Ordnung für mich. Ich bin ja schon groß.

An der mit einer längeren Schlange versehenen Kasse legten wir unsere Einkäufe ab und während ich meine Geldbörse zückte, vernahm ich weit entfernt – daher fühlte ich mich auch gar nicht angesprochen – die Worte: „Darf ich mal ihren Personalsausweis sehen?“

Ich schaute auf. Die Kassiererin sah mich an und wiederholte den Satz: „Darf ich mal ihren Personalsausweis sehen?“ Dabei hielt sie mir das besagte FSK 18 Filmpaket entgegen.

Einen kleinen Moment stutzte ich und hielt nach der versteckten Kamera Ausschau. Ich blickte zu meiner Frau neben mir, dann zum Kunden, der hinter mir an der Kasse stand. Er musste sich ein Grinsen verkneifen.

„Das ist jetzt ein Scherz, oder?“, fragte ich die Verkäuferin.

Sie müsse meinen Personalausweis sehen, weil der Film erst ab 18 wäre.

Auf meine Frage, ob das ihr ernst sei und ob ich tatsächlich jünger als 18 aussähe, bekam ich zu hören, dass ihr Chef das so von ihr verlange und sie daran nichts ändern könne.

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Früher, also ganz früher, ohne Jesus, hätte sie sich von mir was anhören können und ich hätte sie noch einmal gefragt, ob sie WIRKLICH meinen Ausweis zur Alterskontrolle haben wolle. Hätte sie darauf bestanden, hätte ich mich auf ein Pläuschchen mit ihren Vorgesetzten eingelassen. DEN Spaß hätte ich mir gegönnt – oder, an einem schlechten Tag, hätte ich die ganzen Einkäufe einfach liegen lassen und wäre gegangen ohne etwas zu kaufen. Konsequent.

Gestern habe ich nur herzlich gelacht, den Kopf geschüttelt und ihr meinen Ausweis unter die Nase gehalten. Es war ihr sichtlich peinlich und die Leute hinter mir hatten auch ihren Spass.

Diese Situation ist ein schönes Beispiel für falsch verstandene Gesetzlichkeit. Da kommt so ein alter Sack wie ich an die Kasse und ist wirklich unübersehbar älter als 18 Jahre und wird nach dem Personalausweis gefragt. Der Verkäuferin war sicherlich klar, wie (mit Verlaub) schwachsinnig dieses Anliegen an sich war, dennoch hat sie es durchgezogen.

Hat sich nun jemand schuldig gemacht? „Nein, natürlich nicht!“, wird jetzt jeder sagen. Die Vorschrift lautet:“ Wenn jemand etwas mit Altersbeschränkung kaufen will, dann muss der Käufer sein Alter durch Vorlage eines Personalausweises nachweisen.“ [Ende der Vorschrift]

Die Verkäuferin hat diese Vorschrift eingehalten, weil sie ihr Vorgesetzter dazu angehalten hatte. – Nach dem Buchstaben des Gesetzes ist also alles in Ordnung.

Oder?

Ich denke nicht.

Meines Erachtens hat sich der Vorgesetzte schuldig gemacht. Warum? Er hat seiner Mitarbeiterin den gesunden Menschenverstand sowie die Fähigkeit wirklich eindeutige Altersanzeichen entsprechend zu deuten abgesprochen. Er hat sie in eine für sie peinliche Situation gebracht, da alle anderen Kunden in der Reihe ja ebenfalls sehen mussten, dass ich wesentlich älter als 18 Jahre war. Und so wurde sie vermutlich von einem Großteil dieser Kunden für „dumm“ gehalten.

Und die Kassierin selber hat sich auch „schuldig“ gemacht, nämlich gegenüber sich selbst. Sie traute sich nicht, die Vorschriften außer acht zu lassen und sich auf ihren Verstand zu verlassen. Aus Angst vor dem Vorgesetzten.

Gesetzlichkeit ist etwas Schlechtes, wie an diesem kleinen Beispiel gesehen werden kann. Und in größerem Stil hat sie schon soviel Leid über die Menschen gebracht. Würde kein Soldat mehr dem „Gesetz“ folgen, Menschen zu töten oder zu foltern, nur weil der Vorgesetzte es gesagt hat, was wollte der Vorgesetzte dann noch machen? Doch warum würden die meisten Soldaten den Befehl dennoch ausführen, so widersinnig er ihnen auch erscheinen mag? – Weil sich IMMER ein anderer fände, der es tun würde…

Bitte richtig verstehen: die Kassiererin hat alles im Rahmen ihrer Vorgaben richtig gemacht.

Doch es wäre ebenso gut gewesen, wenn sie sich auf ihren Kopf verlassen, und mir die DVD verkauft hätte ohne den Personalausweis zu verlangen.

Nutzen wir daher bei allem, was wir tun oder lassen, das Hirn, den Verstand und die Barmherzigkeit, die uns unser Schöpfer geschenkt hat. Wir werden alle davon profitieren.

Bis demnächst!

(ein etwas nachdenklicherer) Andreas

Inhaber DER christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt. Fallersleben, Bahnhofstr. 10. Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr Sa 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Tel. 05362 126280

P.S. Nicht vergessen: jeden Dienstag vormittag gibt es Kaffee für die Hälfte. Das sind immerhin fast 50% Rabatt!! ;-)

P.P.S. Auch nicht vergessen: am 25.05.12 um 19.00 Uhr liest Martin Dreyer bei uns im SCM Shop Fallersleben aus seiner Autobiografie “Jesus-Freak” vor. Wer einen Sitzplatz haben möchte, sollte unbedingt Karten bestellen!

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