Anders als Protestanten?

Schon mal vorweg, für all jene, die nun evtl. aufschreien mögen, das ginge ja gar nicht: ich bin keine Theologe und mir steht kein Urteil zu.

Warum schreibe ich das?

Nun, es geht um das katholische Fest „Fronleichnam“. Ein sicher oft falsch verstandenes Fest. Wer kennt nicht die landläufige verulkende Bezeichnung, die diesem Fest einen – vor allen Dingen aus Unwissenheit resultierenden – Namen gibt, der durch sein „froh“ und „Leichnam“ in seiner wirklichen Bedeutung, nun aber auch rein gar nichts zu tun hat.

Laut Wikipedia ist Fronleichnam: „Das Fronleichnamsfest ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird.“

Was heisst das?

Soweit ich es verstehe, glaubt ein Katholik, dass im Gottesdienstes (Eucharistie), während der „Wandlung“, also in dem Moment, wo am Altar Brot und Wein gesegnet werden, um die heilige Kommunion (Abendmahl) vorzubereiten, aus dem Brot der tatsächliche Leib (Fleisch) und aus dem Wein, das tatsächliche Blut Jesus Christus wird und er so tatsächlich (leibhaftig) im Gottesdienst anwesend ist. Diese Gegenwart Jesus wird im Hochfest Fronleichnam einmal im Jahr gesondert gefeiert.

Ich hoffe, ich habe das soweit richtig verstanden.

Genau dies ist jedoch auch der Grund, weshalb Protestanten (Evangelische) mit den Katholiken im Streit liegen. Sie sind der Meinung: „Er [Jesus Christus] starb ein für alle Mal, um die Sünde zu besiegen…“ (Römer 6, 10). Darum wäre es nicht richtig, dass er bei jeder Wandlung (quasi) erneut sterben müsste, damit er in Fleisch (Brot) und Blut (Wein) anwesend sein könne.

Das ist auch für mich nicht zu verstehen. Denn, nach meinem Verständnis, im Abendmahl und natürlich auch immer dort, „wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen“ (Matthäus 18, 20). So steht es in der Bibel und das recht klar und einfach. Punkt.

Aber ich bin kein Theologe. Das sind sicher Unterschiede im Handeln und in der Auslegung. Und ja, für den einen oder anderen sind dies im besonderen Fall des Fronleichnamsfestes sogar essentiell wichtige und gravierende Unterschiede. Das mag alles sein.

Meine Frau und ich hatten davon erfahren, dass heute in der St. Christophorus Gemeinde in Wolfsburg ein festlicher Fronleichnamsgottesdienst mit einem anschließenden Gemeindefest stattfinden sollte. So entschlossen wir uns, diesen Gottesdienst zu besuchen, denn wir kennen einige Menschen aus dieser großen Gemeinde und es war schließlich auch ein besonderer Anlass.

Schon bei der Ankunft war dies deutlich zu erkennen. Teile der Pestalozzi Allee, an der die Kirche liegt, waren mit Fahnen geschmückt und Parkplätze waren Mangelware. Rund um die Kirche und auf dem Vorplatz waren zahlreiche Helfer noch immer dabei die Stationen der später geplanten Prozession, sowie Tische und Stühle usw. für das nachfolgende Gemeindefest aufzubauen.

Die Kirche war voller Menschen. Sogar neben den Bankreihen waren Stühle gestellt, um die Besucher alle aufnehmen zu können. In den vorderen Bankreihen saßen 9-10 jährige Kinder in Anzügen – die Jungen – und in schneeweißen Kleidern – die Mädchen. Das waren die Erstkommunionkinder, die erst ein paar Wochen vorher das erste Mal an der Abendmahlsfeier (Erstkommunion) teilnehmen durften. (In der evangelischen Kirche ist das erst mit ca. 14-15 Jahre anlässlich der Konfirmation möglich. Nur mal so als Anmerkung.)

Prälat Günther begrüßte dann auf seine herzliche und total lockere Art eine wirklich bunte Gemeinde. Viele Katholiken aus der italienischen Gemeinde, aus der polnischen Gemeinde, Gäste aus Nordamerika, Afrika. Und so hörten wir im Laufe der Messe dann auch italienische Lieder, polnische Schriftlesungen, hebräische, englische und spanische Lieder. Entweder von der Gemeinde, zwei verbundenen Chören oder von Solisten gesungen. Verschiedene Gruppen, die ich gar nicht alle kannte, waren mit ihren Fahnen im Kirchenraum vertreten. Pfarrer aus dem Bistum und aus anderen Gemeinden waren im Altarraum anwesend und wurden von zahlreichen Jugendlichen, die als Ministranten (Meßdiener) dienten, begleitet. Ein wunderbar farbenfrohes, fröhliches und feierliches Bild. Nicht im Geringsten verkniffen oder „kirchlich einengend“.

Anders als Protestanten?

Der Prälat erklärte in seiner Predigt den Hintergrund von Fronleichnam und sagte dabei etwas, dass mich sehr ansprach. In einer, der Messe folgenden Prozession, also einem Umzug, in die Stadtmitte Wolfsburgs hinein, würde die „Monstranz“ mitgenommen werden. Das muss ich für alle Nicht-Katholiken vielleicht mal erklären. In katholischen Kirchen steht ganz hinten im Altarraum immer eine Art „Kasten“, der sogenannte „Tabernakel“, in ihm werden die Hostien aufbewahrt, also das Brot, das während der Wandlung in „Fleisch Christi“ gewandelt wird. Die Monstranz ist sozusagen ein Transportgefäß. Es hat die Form eines reich verzierten Kreuzes. In der Kreuzesmitte befindet sich eine kreisförmige Öffnung, die beidseitig mit einer Glasscheibe versehen ist. In dieser Öffnung kann dann eine große Hostie gestellt und sichtbar für alle transportiert werden. Die Hostie ist nach katholischem Glaube Jesus selbst.

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Nun, diese Monstranz würde also in der Prozession „hinaus in die Stadt getragen“ werden. Jesus würde hinaus in die Stadt getragen werden. Und der Prälat äußerte den Wunsch und die Hoffnung, dass die Menschen in Wolfsburg sehen würden, dass Jesus in die Stadt getragen würde. Und er hatte einen  weiteren Wunsch. Am Montag, sollten alle Gläubigen wieder hinaus in die Stadt gehen und Jesus Christus „in sich“ mit hinaus tragen und die Menschen sollten erkennen können, dass sie Jesus Christus mit hinaus in die Stadt genommen haben.

Anders als Protestanten?

Während der Kommunion (Abendmahl), an dem, wie mir schien, jeder teilnahm, hatte ich Gelegenheit die Menschen zu beobachten, die nach Vorne zum Empfang der Kommunion gingen. Menschen, die ihren Glauben lebten und suchten. Ob es ihnen gut gelang oder ob sie sich abmühten oder der Glaube nur am Sonntag in der Kirche in ihrem Leben war, vermag ich nicht zu sagen. Aber es waren Christen. Menschen auf dem Weg zu Jesus oder bereits mit ihm unterwegs. Menschen, die ihren Glauben nach bestem Wissen lebten und in der Gemeinde verbunden waren.

Anders als Protestanten?

Anschließend zog bei schönstem Sonnenschein die feierliche Prozession aus der Kirche. Am Elisabethheim, einem Altenheim in der unmittelbaren Umgebung der Kirche, gab es an einem geschmückten Altar die erste Station, bevor es singend und betend weiter vor das Rathaus ging, an dem ein weiterer Altar geschmückt auf die nächste Kurzandacht wartete. Nächstes Ziel war dann der Kirchplatz, wo die Prozession ihren feierlichen Abschluss fand.

Was mir während dieses Umzuges in die Innenstadt auffiel, waren einige Autofahrer. Der Zug musste auf dem Weg zum Rathaus einmal die Pestalozzi Allee queren. Natürlich konnte dabei auf die Ampelphase der Fußgängerampel keine Rücksicht genommen werden und so mussten diese Autofahrer ein paar Minuten warten, bevor alle die Straße wieder verlassen hatten. Von den fünf Autos am Überweg kurbelten bereits nach kurzer Zeit drei wie wild am Steuer, um die Warteschlange zu verlassen und in entgegengesetzter Richtung davonzufahren. Ich fragte mich, ob es wirklich so eine Zumutung gewesen wäre, die ca. 5 Minuten zu warten, bis der Zug vorrüber war und ob sie beim Schützenfestumzug auch so ungeduldig gewesen wären? Ich werde es nie erfahren.

Nach dem Prozessionsende verteilte sich die Menge auf dem Platz hinter der Kirche an Ständen für Wurst, Steaks, Salate, Kaffee, Kuchen, Pizza und Getränken. Eine Bühne war bereitet, auf der Kinder rumtollten. Es war gute Stimmung und guter Umgang mit einander. Hier ein Brocken polnisch, da italienisch. Fair Trade Laden, Freude an der Schöpfung im Pfarrgarten und und und.

Anders als Protestanten?

Warum ich das alles geschrieben  habe?

Ich möchte Mut machen. Mut machen sich kennenzulernen. Besucht doch mal die katholische Nachbargemeinde, wenn ihr evangelisch seid. Geht als Katholiken doch mal zu den Protestanten. Ihr werdet beide feststellen. Die „anderen“ sind gar nicht so anders.

Und mal ehrlich: als Protestant, der meist einen recht „einfachen“ Gottesdienst gewohnt ist, ist eine „pompösere“ (sorry, mir fällt im Moment kein besseres Wort dafür ein) Messe auch mal eine schöne Erfahrung. Und als Katholik kann ich in einem evangelischen Gottesdienst erleben, dass ich auch mit einfachen Mitteln und vielleicht etwas weniger Ritualen Gott loben kann.

Besuchen wir uns, lernen wir von einander und „befruchten“ wir uns so gegenseitig. Denn bei allen (vermeintlichen) Unterschieden, haben wir alle etwas gemeinsam. Etwas Entscheidenes gemeinsam: Jesus Christus!

Bis demnächst!

Andreas

Inhaber DER christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt. Fallersleben, Bahnhofstr. 10. Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr Sa 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Tel. 05362 126280

P.S.: Es gibt ihn wieder, den Veranstaltungsflyer des SCM Shop Fallersleben! Im praktischen PDF Format jederzeit lesbar.

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