Ein ruhiger Tag in Wolfsburg

Wolfsburg. Seit 1972 zusammengewürfelte Großstadt am Südtor der Heide. Obwohl diese „Südtor“-Beschreibung i.d.R. vom nahegelegenen Gifhorn in Anspruch genommen wird. Also sagen wir lieber: Wolfsburg. Seit 1972 zusammengewürfelte Großstadt zwischen Mitteland- und Elbe-Seitenkanal. Dritte Woche der niedersächsischen Herbstferien. Zweite Woche der dreiwöchigen Betriebsferien des Volkswagenwerkes. Gefühlte 5/6 der Wolfsburger Bevölkerung verbringen ihre „schönste Zeit des Jahres“ am Arenal, in Dänemark oder sonstwo in Europa.

Parkplätze sind in der ganzen Stadt problemlos zu finden und mittags, wenn die Sonne auf die Straße brennt, wartet der Buchhändler beim Blick durch die Fensterscheiben, auf die vorbeirollenden Büsche und die dazugehörende obligatorische Staubfahne, die hinter ihnen herzieht. Gegenüber knarrt das Schild der Sprachschule im Wind hin und her. Ein struppiger Hund mit hängender Zunge stromert gelangweilt den Gehweg entlang. Die Zikaden zirpen in der flimmernden Hitze. Zwischen 13.00 Uhr und 16.00 Uhr ist die Stadt für Fußgänger ohnehin gesperrt, da die Bürgersteige für die üblichen Wartungsarbeiten hochgeklappt sind. Pünktlich um 16.15 Uhr setzt dann der Regen ein und wer bis dahin das Haus nicht verlassen hat, geht nun auch nicht mehr vor die Tür.

So oder ähnlich wurde mir im Vorfeld der Gründung des SCM Shop Fallersleben, das sogenannte „Sommerloch“ im Buchhandel beschrieben.

Nun ganz stimmt das natürlich nicht. Den obwohl der übliche Strom der Massen in den SCM Shop Fallersleben heute tatsächlich ausblieb (ganz im Gegensatz zu gestern, als die vorhandenen Sitzplätze gerade so ausreichten), konnte der Buchhändler mitnichten am Fenster stehen und irgendwelche gelangweilten, dahintrottenden Hundchen beobachten.

Der Grund dafür ist, dass er nur noch mit Echolot und auf Stelzen sein Lager durchqueren konnte. In den vergangenen Tagen (mal vom Sonntag abgesehen) schleppten sich die Fahrer und Fahrerinnen von DHL und GPS äähhh GLS und UPS und was weiss ich wer noch alles, einen Wolf. Jeden Tag kam einer oder eine mit einer oder mehreren Kisten und brachte Ware. In einer waren Postkartenwaren. In einer waren Neuheitenwaren und in wieder einer anderen waren sogar schon Weihnachtswaren. Und so war der Fußboden des Warenlagers sehr schnell nicht mehr wahrnehmbar.

Und diesen Umstand musste der Buchhändler heute mit Hilfe seiner lieben Gattin ein Ende bereiten. – Ich erwähnte schon einmal, dass dem Buchhändler nun doch eine Aushilfskraft fehlt? Egal. – Schade nur, dass eine ganze Reihe von Waren noch nicht als Stammdaten in der Warenwirtschaft enthalten waren. So musste, nachdem die Waren gezählt und etikettiert waren, ein Großteil noch erfasst werden. Und schon waren einige Stunden fort. Stunden, in denen der Buchhändler sonst, wie immer, am Fenster gestanden war und den oben bereits mehrfach erwähnten alten Hunden hätte zuschauen können, wie sie dabei waren, über die Gehwege zu stromern.

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Das Ende vom Lied war: Zum Feierabend waren alle Waren in der Warenwirtschaft erfasst und aus dem Warenlager in den SCM Shop Fallersleben verbracht worden. – Bis auf die Weihnachtswaren, die auch weiterhin im Warenlager verblieben, da es zum Einen noch nicht so viele waren und zum Anderen für sie einfach noch nicht die Zeit gekommen war. Nicht wahr?

Das Lager sieht wieder ansehnlich aus. Das Echolot ist bis nächste Woche ordnungsgemäß verstaut und die Stelzen stehen wieder im Keller.

So ist der Buchhändler nun wieder gut gerüstet, um morgen wieder, die ebenfalls oben erwähnten, Ströme der Massen entgegennehmen zu können.

Bis demnächst!

Andreas
(Buchhändler) 😉

 

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