Das Mädchen aus dem Zug

Mit „Das Mädchen aus dem Zug“ wagte ich mich einmal an einen Roman, der „eigentlich“ ein richtiger „Frauenroman“ ist (wie auch immer man das definieren möchte).

Der Francke Verlag empfiehlt dieses Romandebüt der südafrikanischen Autorin Irma Joubert für „Leserinnen von Lynn Austin, Elisabeth Musser und Linda Nichols.“

„Aha“, dachte ich mir, „dann mach dich mal auf einen richtig weibliches Buch gefasst.“ und ging ans Werk.

Was mir als erstes auffiel war, das der Roman im Präsens, also in der Gegenwartsform geschrieben ist. Ich bin daran gewohnt, dass die Zeitform der meisten Bücher die Vergangenheit ist, daher hatte ich Anfangs etwas damit zu kämpfen, freundete mich aber irgendwann damit an. Das ist natürlich eine rein subjektive Sicht, aber sie machte mir zu schaffen.

Das zweite war – für mich – Irma Jouberts Schreibstil. Da ich selbst eher zu längeren und verschachtelten Sätzen neige, was den geneigten Blogleser, sicher schon so manches Mal zur Verzweifelung getrieben haben mag, empfand ich die kurzen und oft ohne Nebensätze geschriebenen Zeilen des Romans sehr gewöhnungsbedürftig. Jeder Punkt unterbricht den Lesefluss und so entstand bei vielen kurzen Sätzen in meinem Kopf ein gewisses Stakkato beim Lesen, mit dem ich persönlich meine Schwierigkeiten und Herausforderungen hatte.

Aber das ist Irma Jouberts Stil, nicht meiner. Also blieb ich „gnädig“ und las nach drei – für mich „schwierigen“ – Kapiteln trotzdem weiter.

Ich darf schon mal verraten: es hat sich gelohnt dran zu bleiben!

Das Mädchen aus dem Zug“ erzählt die Geschichte von Gretel, die, nach dem sie einem Bombenanschlag auf ihren fahrenden Zug entkommen konnte, bei einer polnischen Familie des Jahres 1944 unterkommt. In dem katholischen Jakob findet sie einen Beschützer, der sich fürsorglich um das jüdisch-stämmige Mädchen mit der evangelischer Taufurkunde kümmert. Über ein Adoptionsprogramm kann er sie aus dem kommunistischen Polen herausbringen. Allein geht Gretel auf eine Reise um die halbe Welt, um in Südafrika von liebevollen Adoptiveltern aufgenommen zu werden. Von nun an heißt sie Grietjie und für sie beginnt ein völlig neues Leben.

Die Schatten der Vergangenheit lasten zwar auf ihr, aber sie wächst im Laufe der Jahre zu einer schönen jungen Frau heran, die ihren Weg gehen wird.

Doch wie es kommen muss, holt sie die Vergangenheit ein und sie muss sich mit ihr auseinandersetzen.

Ich empfand „Das Mädchen aus dem Zug“ einerseits durchaus als einen historischen Roman. Die Situation im Polen der Kriegs- und Nachkriegszeit kam gut bei mir an, auch wenn dieser Aspekt des Buches nicht allzusehr im Vordergrund steht. Vor allen Dingen ist „Das Mädchen aus dem Zug„“ aber eine Lebensgeschichte, die sich über viele Jahr erstreckt. Und das Buch ist natürlich auch eine Liebesgeschichte.

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Was mir sehr gut gefiel, ist das Irma Joubert es schafft, das Gefühl aufkeimender Liebe zu beschreiben. Vom ersten Wahrnehmen über den „Schock“ das „etwas passiert“ bis hin zur Erkenntnis: „Ich liebe!“. Und sie scheint auch etwas von Sehnsucht zu verstehen. Wenn Grietjie sich dann irgendwann in Geduld über muss und sie vor Sehnsucht fast vergeht, kann sich auch ein Mann diesem Gefühl nicht entziehen. Das Gefühl wird anschaulich und spürbar beschrieben, man fiebert als Leser förmlich mit und wartet darauf, dass Grietjies Sehnsucht endlich gestillt werden möge. Ob es gelingt?

Das erfahrt ihr im Buch! 😉

Was „Das Mädchen aus dem Zug“ auch interessant macht, ist der Schauplatz Südafrika, der nun nicht unbedingt üblich ist. Das ganze Thema Appartheid wird zwar gänzlich ausgeklammert, aber die Art der Menschen in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die durchaus sehr „eigene“ Weltsichten gehabt haben müssen, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Scheinen doch auch viele ehemalige SS-Leute nach dem Krieg dort ein neues Leben begonnen zu haben. Diesen Teil des Buches lohnt es sich sicher auch einmal aus historischer Sicht zu betrachten und in anderen Quellen nachzuforschen.

Nun kann natürlich gefragt werden, warum dieser Roman denn ein „christlicher Roman“ sein sollte? Um es gleich zu sagen: „Das Mädchen aus dem Zug“ ist sicher nicht dazu gedacht, als Evangelisationsmaterial eingesetzt zu werden. Aber er gibt ein schönes Beispiel dafür, dass Ökumene durchaus lebbar ist, ohne zu einer „Einheitskirche“ zu verschmelzen. Zentrum des Glaubens ist Jesus Christus. Und somit kann auch über konfessionelle Unterschiedlichkeiten hinweggesehen werden. Auch das ist nur ein Randaspekt des Buches.

In erster Linie ist „Das Mädchen aus dem Zug“ ein Roman. Klar. Und es ist alles andere als oberflächlich. Leicht zu lesen und ein richtiger Schmöker für die Sommerzeit. Oder eben für den Herbst, der jetzt ja schon vor der Tür steht. Oder den Winter. Und überhaupt.

Wer gute Romane für Frauen mag, sollte „Das Mädchen aus dem Zug“ unbedingt lesen.

Für Männer aber auch geeignet! 😉

 

Bis demnächst

Andreas

Inhaber DER christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt.

SCM Shop Fallersleben
Buchhandlung Andreas König
Bahnhofstr. 10
Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr Sa 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Tel. 05362 126280

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