Die Macht ist mit uns!

Heute morgen habe ich ein kurzes Video einer Einzelhändlerin gesehen, das mich nun veranlasst ein paar Zeilen zu schreiben.

Unbestritten ist, zumindest aus der Sicht des Einzelhandels, dass das Geschäftsleben in “diesen Zeiten” wahrlich kein Zuckerschlecken ist. Es ist eigentlich völlig egal, wohin man schaut, wen man fragt: alle sind am Stöhnen und Klagen. Ja, die großen Ketten, die wir in jeder Einkaufsmall wiederfinden, sind davon auch betroffen, aber sie haben in der Regel einen viel längeren Atem, als ein “kleiner Einzelhändler”, der versucht, seine Familie zu ernähren.

Natürlich zwingt ihn ja niemand seine ganze Arbeitskraft, sein Geld und seine Gesundheit in ein Geschäft zu stecken, das vor sich hindümpelt, weil vielleicht die Konkurrenz zu groß ist. Oder weil er Waren anbietet, die “im Internet” (vermeintlich oder sogar tatsächlich) günstiger angeboten werden. Wer zwingt ihn, im Gegensatz zu einem Arbeiter oder Angestellten, der “nur seine ihm zugeteilten Aufgaben” gegen Entgelt erledigt und dabei nur einen Job wahrnimmt, in seinem eigenen Unternehmen ALLES sein zu müssen?

Ein “kleiner” Einzelhändler oder auch Handwerker, muss ja nicht nur ein “Meister seines Fachs” sein. Er (oder natürlich auch sie) muss “nebenbei” auch noch Einkäufer, Kalkulator, Personalchef, Steuerfachmann, Marketingexperte sein. Sehr wahrscheinlich fehlt in dieser Auflistung noch der eine oder andere Schuh, in dem er laufen muss. Kurz gesagt: ganz so einfach, wie es nach außen hin den Anschein hat, ist das Leben in der Selbstständigkeit wahrlich nicht.

Ich will hier auch gar nicht anfangen, auf die Tränendrüse zu drücken und den armen Einzelhandel bedauern lassen. Auch ich selbst kann ja heute nicht sagen, ob es uns morgen noch geben wird. Das ist das sog. “unternehmerische Risiko”. Als Einzelhändler kann ich natürlich nicht in meinem Laden sitzen und darauf warten, dass die Kunden zu mir kommen. Ich muss sie schon auf mein Geschäft aufmerksam machen. Das geht zum Einen durch Werbung. Die kostet aber recht viel Geld und das muss erst einmal verdient werden, bevor es ausgegeben werden kann. Kleine Abschweifung: ich könnte mich immer im Strahl übergeben, wenn mir hin und wieder “Schlaumeier” sagen, dass Werbung / Investitionen / mehr Personal etc. doch kein Problem wären, schließlich könne ich ja alles von der Steuer absetzen. Ehrlich, das ist bei mir ein roter Punkt. Wäre ich kein Christ, möchte ich da so richtig mit Schwung ausholen….


Natürlich kann ich Vieles steuerlich geltend machen. Aber dazu muss ich erst einmal so viel Gewinn machen, dass diese Steuern anfallen. Denn wenn ich keine Steuern zu zahlen habe, kann ich auch nichts davon absetzen. Logisch, oder? Aber davon abgesehen: ich muss erst einmal Geld HABEN, damit ich es ausgeben kann! Und zwar unabhängig davon, ob ich mit diesen Kosten hinterher irgendwann einmal von meine Steuerschuld verringern kann. Aber das kapieren manche Leute einfach nicht.

Aber ich will mich ja nicht in Rage schreiben….

Zurück zum Thema.

Die beste Werbung für ein Unternehmen ist die sog. “Mundpropaganda”, d.h. wenn Menschen über mein Geschäft ins Gespräch kommen. Und, machen wir uns nichts vor, diese Mundpropaganda funktioniert sowohl im Positiven als auch im Negativen. Und im Negativen oft noch exponentiell besser, als im Positiven. Wenn mir ein zufriedener Kunde z. B. zwei Kunden durch seine Empfehlung bringen kann, so wird mir ein unzufriedener Kunden mindestens 10 Kunden abspenstig machen oder sogar verhindern, dass diese Menschen überhaupt in meinen Laden kommen. Das ist nicht zu unterschätzen.

Darin unterscheidet sich der herkömmliche, stationäre Handel nicht vom Onlinehandel. Liefere ich schlechte Arbeit / Ware, dann wird darüber gesprochen und u. U. kostet mich das Kunden, mindestens jedoch Reputation. Der Unterschied zum Onlinehandel liegt aber nun darin, dass ein riesiger Onlinehändler solche Negativwerbung – sofern sie in einem überschaubaren Rahmen bleibt – wesentlich müheloser wegstecken kann, als der Einzelhändler oder Handwerker um die Ecke. Es ist klar, wenn mir von 300.000 Kunden 30.000 wegfallen, ist das proportional besser zu verkraften, als wenn mir von 300 Kunden 30 wegfallen. Obwohl beides “nur” 10% sind. Insofern behaupte ich, dass ein Einzelhändler sich mehr anstrengen muss, um seine Kunden zufrieden zu stellen.

Das hat aber auch seine Grenzen. Auch wenn er auf die Kunden angewiesen ist, heißt das nicht, das “der Kunde” nun ungehobelt sein darf, alles Unmögliche fordern und mit dem Händler nach Belieben umspringen kann wie mit einem Untertanen. Frei nach dem Motto: “Der Kunde ist König!”

Achtung, jetzt wird es hart: bei uns der Kunde deshalb NICHT König!

Ein König kann sich gegenüber seinen Untertanen im großen Stil so gut wie alles herausnehmen. Sie kuschen vor ihm, buckeln und dienern. Auch musste ich – leider, leider, auch schon feststellen, dass sich bei uns Kunden wie solche Könige aufführen wollten. Ein besserer Ausdruck wäre allerdings “Despot”. Und ein Despot versucht partout seinen Willen durchzusetzen, egal ob er im Recht ist oder nicht. – Und das geht meiner Meinung nach nicht.

Bei uns ist der Kunde “Gast”. Ein Gast wird bei uns ebenso wie ein König oder sogar noch besser behandelt. Aber ein Gast weiß sich in der Regel zu benehmen, ist ebenso höflich, wie der Gastgeber und freut sich am harmonischen Miteinander während des Besuches. Und so, wie wir daheim unseren Gästen das Beste anbieten und zukommen lassen möchten, damit sie sich wohl fühlen, genauso möchten wir unseren “Gästen” das Beste bieten und zukommen lassen.

Diese freundliche Verbindlichkeit, verbunden mit selbstverständlich erstklassiger Beratung und Freundlichkeit sowie einem Waren- und Dienstleistungsangebot, das für den Gast ansprechend ist, machen den Kern eines Einzelhandelsgeschäftes aus. Wir können nicht ALLES haben. Das ist schier unmöglich. Auch Amazon kann nicht ALLES haben, wie groß deren Läger auch noch werden mögen. Die sind eben Großhandel und nicht Einzelhandel. Obwohl sie Einzelhandel betreiben, ihre Mitarbeiter aber als Logistiker bezahlen. Na ja, diese Menschen sind ja auch sicher froh, Arbeit zu haben.

Nun habe ich ein Bild gezeichnet, in dem Einzelhandel und “großer” Onlinehandel friedlich nebeneinander leben. Ich spreche bewusst von “großem” Onlinehandel, denn auch sehr viele Einzelhändler haben einen Onlineversand. Wir leben ja nicht hinter dem Mond, nicht wahr? (siehe (https://scm-fallersleben.de oder https://buch38.de) Doch gibt es einen Unterschied: während der Einzelhandel ums Überleben kämpfen muss, versucht der “große” Onlinehandel immer noch mehr Kunden an sich zu binden und den Einzelhandel auszustechen. Das ist legitim und natürlich als “Goliath” einfacher, als als “David”. Der Vergleich hinkt ein wenig, denn wie wir wissen, blieb in der Geschichte, nach dem Goliath viele Kleine platt gemacht hat, der “kleine” David Sieger 😉

Wie gesagt: der Einzelhandel kämpft ums Überleben. Dem darwinistischen Weltbild zu Folge, kann es also sein, dass er über kurz oder lang verschwindet. Ausgedient? – Weg damit!

Doch halt! Immer wieder gibt es Schlagzeilen über verwaiste Innenstädte, Leerstände und mancherorts Versorgungsengpässe. Genauso, wie es Meldungen über vom Aussterben bedrohte Tierarten gibt. Man versucht sie zu retten (oder auch nicht) und wenn es das “Naturgesetz” so will, dann sterben sie eben aus. Dafür kommen wieder neue. Es gibt da beide Ansichten.

Wenn eine Naturlandschaft zu Grunde geht oder Frösche vor der Ausrottung bewahrt werden sollen, gibt es Menschen, die sagen: “Wir haben es doch in der Hand, ob diese Tierart überlebt, dieses Waldstück dem Erdboden gleich gemacht wird! Lasst es uns schützen und erhalten! Egal, ob es sich lohnt oder nicht, wir halten das für Wichtig und deshalb setzen wir uns dafür ein.”

So sehe ich das auch in Bezug auf den Einzelhandel. Ob verwaiste Innenstädte und Leerstände oder trockengelegte Sümpfe und verscheuchte Vogelarten. Wer ist letztlich (mit) daran Schuld? – Wir! Wir alle.

Wir benötigen eine weitere Autobahn, ein Baugebiet, eine Fläche für den Rohstoffabbau, einen Staudammbau? Was auch immer. Wir treffen einen Entscheidung. Genauso ist es mit den Innenstädten. Wenn wir die Entscheidung treffen, dass wir lieber woanders kaufen, als beim örtlichen Einzelhändler, dann haben wir die Macht (und das Recht dazu). Genauso wie wir die Macht haben, Eier aus Käfighaltung oder aus Freilandhaltung zu kaufen.

Wir sollten uns nur bewusst sein, dass jede unserer Handlungen, Entscheidungen Folgen hat. – Und wir haben die Macht!

Darum appelliere ich an jeden: überlegt euch gut, welchen Wolf ihr füttert. Niemand wird natürlich gezwungen einen Einzelhändler zu unterstützen, der schlicht und ergreifend schlecht ist. Ganz klar. Und wenn der Preis vermeintlich zu hoch ist, schaut noch einmal genau hin. Ist es vielleicht eine bessere Qualität als beim “großen” Onlinehändler? Wie lange hat der Einzelhändler eventuell schon für euch Beratungsarbeit geleistet, Nachforschungen angestellt und Preise eingeholt? Bedenkt dies bitte bei eurer Entscheidung. Denn auch Beratung ist eine Leistung, die entsprechend entlohnt werden sollte. Ihr möchtet in eurem Job am Monatsende ja auch eine Überweisung auf dem Gehaltskonto vorfinden für die Leistung, die ihr erbracht habt.

Und Preise und Beratung sind ja noch längst nicht alles.

Geht ihr gern ins Schwimmbad? Ins Theater? Ins Stadion? Mögt ihr Stadtfeste, Jahrmärkte, Festivals in eurer Stadt? Dann seid gewiss: ohne die Einnahme der Städte aus den Steuern und Abgaben der Gewerbetreibenden, also Händler, Handwerker und Dienstleister, werdet ihr über kurz oder lang auch dabei erhebliche Abstriche und früher oder später auch komplette Streichungen hinnehmen müssen. Denn diese ganzen Dinge werden zu einem erheblichen Anteil durch die ortsansässigen Händler etc. mitfinanziert. Immer nur oder überwiegend online zu kaufen wird seinen Preis haben. Vielleicht nicht messbar an einem einzelnen Produkt, aber auf Dauer. So wie man zwar seinen leeren Joghurtbecher in den Wald werfen kann ohne das es erst einmal sonderlich auffällt. Aber macht das mal jeden Tag einmal über einen gewissen Zeitraum hinweg….

Ich habe für mich schon seit vielen Jahren die Devise: Wenn ich etwas brauche, frage ich zuerst am Ort nach. Meist klappt es ja auch. Denn NOCH haben wir eine Vielfalt hier in unserer Stadt, was das Angebot anbelangt. Wie ist es in deiner Stadt?

Du hast die Macht!

Ich wünsche euch eine gute Zeit und immer eine weise Entscheidung beim Kaufen.

Andreas

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