Die Füchse im Weinberg

Vielleicht kannst du mit diesem Titel nicht viel anfangen. Es ist ein Ausspruch aus der Bibel. Genauer gesagt aus dem Hohelied Kapitel 2, Vers 15. Dort steht (gem. der Elberfelder Übersetzung) „Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben! Denn unsere Weinberge stehen in Blüte.

Kleine Füchse fressen sehr gern die Triebe im Weinberg und richten auf Dauer großen Schaden an.

Mein letzter Blogeintrag liegt nun schon einige Wochen zurück. Vielleicht hat mich der eine oder andere ja schon vermisst? 😉 Warum habe ich nichts geschrieben? – Es lag an den „Füchsen im Weinberg“.

Natürlich ist dies nur ein Bild. Aber es trifft die Sache sehr gut, wie ich finde. Wir alle haben in unserem Leben „kleine Füchse“, die sich einschleichen und hier und da an den Dingen „nagen“, einem das Leben schwer machen können. Der einzelne „Fuchs“ ist in der Regel noch kein großes Problem. Aber wenn sich die Anzahl dieser „Füchse“ erhöht, dann werden auch viele kleine angenagte Dinge plötzlich zu einer Herausforderung.

Und eben dies war in den letzten Wochen bei mir der Fall. Jedes für sich genommen nur eine Kleinigkeit. Aber in Masse(n)? – Ätzend!

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Da reißt man sich einen Fingernagel ein und der Riß landet voll im „Lebendigen“. Da verspannt sich ein Nackenmuskel und du hast ein paar Tage „Spaß“. Da spielt die Bindehaut verrückt und entzündet sich. Da stehst du zu schnell auf und rammst deinen Zeh an das Tischbein. Da trägst du eine Kiste durch eine Tür und schrammst dir die Fingerknöchel am Türrahmen auf. Da beißt du genüsslich in ein Brötchen und ein Stück harter Kruste schiebt sich ebenso „genüsslich“ in dein Zahnfleisch. Da gießt du dir ein Glas Wasser ein und vergießt die Hälfte über den Schreibtisch. Da trinkst du deinen Kaffee und die heiße Flüssigkeit erinnert dich daran, dass hinten links ein Zahnhals frei liegt.

Ich höre mit den Beispielen auf. Du kennst sicher einige von ihnen und könntest noch viele weitere dazu nennen.

Lauter kleine Füchse. Sie knabbern und nagen und nerven. Und eh du dich umsiehst, sinkt deine Laune auf den Nullpunkt und der Weg wird frei, um dich zum größten A…loch aller Zeiten werden zu lassen. Dabei können andere (meist) gar nichts dafür, dass dir blöde Dinge widerfahren sind. Aber so ist der Mensch.

Wie geht man nun mit solchen Herausforderungen um? Man soll „gelassen bleiben“, mal „runterkommen“, sich „nicht so anstellen“.

Ehrlich? – Mir gehen solche „Ratschläge“ dann schon mal so auf die Nerven, dass diese dann selbst zu neuen „Füchsen“ werden können.

Manchmal möchte man doch nur noch „draufhauen“, oder? Man hat das Gefühl, dass sich die ganze Welt gegen einen verschworen hat. Nur wenn man richtig hinschaut, dann können „andere“ doch meist gar nichts dafür. Eingerissene Fingernägel? Verspannte Muskeln? Entzündete Augen? Angestoßene Zehen? etc. Wem könnte ich dafür tatsächlich eine Schuld geben?

Dennoch machen diese Füchse etwas mit mir, in mir. Und dann kommt Zorn und Wut auf und man möchte eben nur noch „draufhauen“. Und ehrlich: ich kann echt gut „aus der Haut fahren“. Dann geht das Ventil auf. Dann muss der Druck raus. Meist äußert sich das rein verbal. Manchmal haue ich im wörtlichen Sinne „auf den Tisch“. Wenn mir dann hinterher die Handfläche schmerzt, weiß ich, dass meine Abreaktion nur im ersten Moment hilfreich war. Letztendlich habe ich mir selbst geschadet.

Und ja, es gibt auch Menschen, die nicht in der Lage sind, sich in für sie unangenehmen Situationen zu zügeln. Und dann werden andere verletzt. Wir sehen: die kleinen Füchse können zu richtigen Monstern werden und (wenn es ganz übel läuft) aus uns selbst welche machen.

Ich komme nochmal mit der Bibel. Dem Buch, dass für mich persönlich eine echte „Bedienungsanleitung für das Leben“ ist. (Für dich vielleicht auch?) Zu unserem Thema steht z.B. im Brief des Jakobus in Kapitel 1, Vers 19: „Ihr sollt wissen: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. (20) Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. (21) Darum legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen.

Zuhören. Nicht gleich losplappern. Gelassen bleiben.

Haben wir in Teilen doch weiter vorne schon gehört, oder? – Echt cooles Buch! Stelle ich fast täglich aufs Neue fest.

Eingerissener Fingernagel? – Vielleicht etwas weniger hektisch hantieren, hinschauen, was ich mache?
Verspannte Muskeln? – Wieder zu lange in der falschen Haltung am PC gesessen? Zu wenig bewegt?
Entzündete Augen? – Das selbe Thema: zu lange aufs Smartphone geschaut? Vergessen zu blinzeln? Trockene Bindehäute können sich entzünden.
Angestoßene Zehen? – Zu hektisch? (hatten wir eben schon)

An speziell diesen Beispielen sehen wir, dass einige der „Füchse“ in unserem ganz persönlichen Weinberg vielleicht von uns selbst dort hin gebracht wurden. Klar, das ist nicht bei allen der Fall. Aber für mich kann ich sagen, dass eine ganze Reihe wirklich „hausgemacht“ sind. Also wen kann ich anklagen, wenn Dinge blöd laufen?

Ich will bewusster Leben. Immer eine Sache nach der anderen machen. Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Etwas ruhiger an Dinge rangehen (im Sinne von gelassener und konzentrierter nicht schlafmützig 😉 ).

Dann sollte ich mich zukünftig a) weniger mit „Füchsen“ herumplagen müssen und komme b) öfter mal zu Blogschreiben.

Tschau!

Andreas

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