Verkaufsoffene Sonntage – Warum wir nicht mitmachen

Am 13. Oktober wird es in Fallersleben wieder den verkaufsoffenen “Kartoffelsonntag” geben. Viele Geschäfte in der Fallerslebener Innenstadt werden zwischen 12.00 und 17.00 Uhr geöffnet sein. Die Buchhandlung König in der Bahnhofstraße bleibt geschlossen. Warum?

Das fragt man mich immer wieder. Und ich antworte auch gerne darauf. Wir machen nicht mit, weil der Sonntag nicht zum Arbeiten gedacht ist. Der Sonntag dient der Erholung und der Regeneration. So hat es Gott in der Bibel bereits empfohlen, weil er als Schöpfer des Menschen genau weiß, was für uns gut ist.

So weit erst mal.

Nun zu den “Gegenargumenten”.

Und was ist mit den Menschen, die am Sonntag arbeiten müssen, wie in Krankenhäusern, bei der Feuerwehr etc.?
Auch diese Menschen sollten sich an die biblische Regel halten können. Gott sagt, wir sollen sechs Tage arbeiten und am siebenten Tag ruhen. (den Sabbat heiligen). In dieser Empfehlung sind zwei Dinge enthalten. 1. Wir sollen den Sabbat heiligen. Damit ist also ein fester Tag der Woche gemeint, an dem das gesamte Gemeinwesen ruht. In unseren Breitengraden ist dies in der Regel der Sonntag. Im nahen Osten ist es z. B. der Samstag. Aber die Regel “sechs Tage Arbeit / ein Tag frei” wird beibehalten. 2. Die Empfehlung besagt “sechs Tage Arbeit / ein Tag frei”. Das können auch Menschen einhalten, die an “Sabbaten” arbeiten müssen. Denn, auch das steht in der Bibel, der Sabbat ist für den Menschen gemacht. D.h. es geht nicht darum auf Biegen und Brechen gesetzlich zu handeln, sondern es geht darum, dass es uns gut geht.


Aber du bist doch Geschäftsmann. Willst du kein Geld verdienen?
Oh ja. Wir müssen sogar Geld verdienen. Gerade im Buchhandel, der es im Moment sehr schwer hat, sind wir auf jeden Kunden angewiesen. Und wir sind für jeden von euch dankbar, der sich entscheidet, bei uns zu kaufen und nicht “irgendwo” im Internet. Ganz klar.
Aber mal ehrlich: 1. ein verkaufsoffener Sonntag wird es übers Jahr betrachtet nicht raushauen. 2. Jeder Haushalt hat im Monat eine gewisse Summe Geld zur Verfügung, die für diverse Anschaffungen (Shopping) ausgegeben werden kann. Wenn ein Teil davon nun an einem Sonntag ausgegeben wird, dann kann er nicht mehr innerhalb der Woche ausgegeben werden. Der Umsatz in den Geschäften wird also rein rechnerisch nicht mehr, er verschiebt sich nur. 3. Für die Geschäftsleute ist ein verkaufsoffener Sonntag weniger lukrativ, als ein “normaler” Einkaufstag. Selbst wenn die Geschäfte keine gesonderten Rabattaktionen anlässlich des Shoppingsonntages starten, sind allein schon Mehrkosten in Form von erhöhten Lohnzahlungen, sofern für die Branche ein entsprechender Tarifvertrag gültig ist und Strom- und Heizkosten zu zahlen, die sonst weniger wären oder gar entfielen. Und dazu werden an solchen Tagen oft auch noch Give Aways oder andere kleine Aufmerksamkeiten an die Kunden und Passanten verteilt. Unter dem Strich für den Laden also ein Zusatzgeschäft. Geld “verdienen” ist das in meinen Augen nicht.

Willst du denn deinen Kunden nicht auch mal etwas Gutes gönnen? Sonntag locker shoppen und Spaß haben?
Ich gönne allen meinen Kunden und Interessenten von Herzen ihre freien Tage und allerlei Events und Entspannungen. – Ob ein Einkaufsbummel unbedingt dazu gehören muss, überlasse ich jedem Einzelnen.
Was wir unseren Kunden Gutes tun ist, dass wir Tag für Tag für sie da sind. Wir kaufen gute Ware ein, die wir besten Gewissens anbieten können. Wir machen uns schlau, lesen viel, schauen Filme, informieren uns, damit wir unsere Gäste optimal beraten können. Wir haben immer ein offenes Ohr für unsere Kunden. Wer uns kennt, weiß das.
Wir haben aus unserer Leseecke ein richtiges kleines Bistro gemacht, in dem jeder bei leckeren Kaffeespezialitäten und schmackhaften Cookies (aus regionaler Herstellung!) verweilen und Ausruhen kann. Wir bieten monatlich Lesungen, in der Regel ohne Eintritt. Wir leben Service. Das ist unser Dienst am Kunden.

Und sonst?
Ich habe schon vor langer Zeit erkannt, dass die Gebote der Bibel keine “Verbote” sind, die unter allen Umständen eingehalten und befolgt werden müssen. Sie “sollen” befolgt werden. Warum? Damit es uns gut geht. Ganz einfach. Wer sechs Tage gearbeitet hat (und ich meine das wörtlich, nicht einfach seine Zeit abgesessen), der wird den siebenten Tag sehr gut gebrauchen können. Dann brauchen Körper und Geist Erholung, Entspannung und Zeit zum Auftanken. Das nehme ich für mich in Anspruch und das gönne ich meinen Mitarbeiterinnen ebenfalls von ganzem Herzen. Mir ist es wichtiger, dass wir an den “normalen” Tagen voll für euch da sein können und daher verzichte ich gerne auf einen (oft) stressigen halben, offenen Sonntag, der letztendlich dann doch meist nicht unter sieben bis acht Stunden Arbeit abläuft und, wie oben erwähnt, wirtschaftlich betrachtet rel. sinnfrei ist.

Gibt es denn gar nichts Positives an einem verkaufsoffenen Sonntag?
Doch. Das gibt es in der Tat. Das ist auch der einzige Grund, weshalb ich doch immer einmal wieder darüber nachdenke, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen. Da wir eine Buchhandlung mit dem Spezialgebiet auf christliche Literatur sind, haben – leider immer noch – Menschen scheu unser Geschäft zu betreten. Wir sind denen vielleicht zu “christlich”. Auch das Wort “Sekte” haben wir, besonders in der Anfangszeit, immer mal wieder hören müssen.
An einem verkaufsoffenen Sonntag, besonders, wenn dann im Geschäft noch Aktionen stattfinden, ist die “Hemmschwelle” mal in “so einen Laden” zu gehen doch erheblich niedriger als sonst. Und wer dann zu uns kommt, merkt ganz schnell, dass wir “ganz normal” sind. Wir führen keine Zwangsevangelisationen durch oder texten jeden mit Bibelstellen zu. Wir sind eben ganz “normal”. – Und doch anders. Das wollen wir auch: anders sein.
Anders als manche “Servicewüstengeschäfte”, die man immer mal wieder – und meiner Ansicht nach – viel zu häufig findet. Das heißt nicht, dass man mit uns alles machen kann. Das nicht. Aber wird sind offen, fair, ehrlich, umgänglich und zuverlässig.
Aber die oben erwähnte Argumente gegen die Teilnahme an verkaufsoffenen Sonntagen haben für mich mehr Gewicht.
Und jeder Mann und jede Frau sind auch “unter der Woche” herzlichst eingeladen einfach mal zum Stöbern in meine Buchhandlung zu kommen. Auch wer nichts kauft, ist bei uns willkommen und wird freundlich und zuvorkommend bedient. – Und ehrlich? Wer mal bei uns war kommt auch immer wieder! 😉

Und das ist für uns mehr wert als ein Gratiskaffee am verkaufsoffenen Sonntag.

Bis demnächst

Andreas

1 Kommentar zu „Verkaufsoffene Sonntage – Warum wir nicht mitmachen“

  1. Bernhard Dinges

    Ein sehr gutes Statement, das das Pro und Kontra zu verkaufsoffenen Sonntagen anschaulich und gut begründet herausstreicht.
    Im allgemeinen nutze ich verkaufsoffene Sonntage in der Wolfsburger Innenstadt, um das Publikum zu erleben, die sonstigen Events, die regelmäßig an solchen Nachmittagen angeboten werden.
    Ich muss nicht am Sonntag einkaufen, dafür habe ich an den anderen Tagen der Woche genug Zeit und Gelegenheiten, ich habe es aber im Bereich Lebensmittel schon getan, dann meistens in der Absicht, die wenigen zu kaufenden Lebensmittel frischer nutzen zu können, als hätte ich sie am Samstag oder gar am Freitag schon gekauft.
    Im Gegensatz zu Andreas’ Statement stand gleich danach ein mir aus Paris angebotenes Video der Nuit Blanche, der Weißen Nacht. Da werden auch die Zeiten für Aktionen genutzt, in denen normalerweise Ruhe eingekehrt ist. Ein sehr schönes Video, aber es ist eben aus Paris, die Stadt, die ja nun einige Nummer größer als Wolfsburg und Fallersleben ist und die ein anderes Publikum anlockt.

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