Die Präsidentin

Sie rückten aus, um zu befreien. Und bezahlten mit ihrem Leben.
Für das SEAL-Team von Patrick Quillen ist es eigentlich ein Routineeinsatz, den die Präsidentin der USA persönlich befiehlt: Zwei Geiseln sollen aus einem Gefängnis der Huthi Rebellen befreit werden. Doch die Mission scheitert und die ganze Einheit wird getötet.

Die junge Anwältin Paige Chambers, die Verlobte von Patrick, ist geschockt. Als sie auf Geheiminformationen zu dem Einsatz stößt, entschließt sie sich, zu handeln. Sie bringt einen Fall ins Rollen, der das Land spaltet, politische Seilschaften aufdeckt und die Verfassung auf die Probe stellt. Sind vor dem Gesetz wirklich alle gleich?

So wird Randy Singers neuer – und lang erwarteter – Roman „Die Präsidentin“ seitens des Verlages angekündigt. Es ist, wie ich finde, eine gute Zusammenfassung. Wer Randy Singer Fan ist, wird jetzt bereits „angefixt“ sein und zum Buch greifen. Wer bisher lieber John Grisham gelesen hat, der sollte nun ebenfalls zu diesem Buch greifen. Denn – Hand aufs Herz – Randy Singer reicht dem „Meister“ hier allemal das Wasser.

Die Präsidentin ist spannend geschrieben und bietet einen eindrücklichen Blick hinter die Kulissen der amerikanischen Justiz. Und was man dort zu sehen bekommt, ist an einigen Stellen doch recht „strange“. Die Machenschaften, das Geziehe und Gezerre, das in-die-Pfanne-hauen und Hintergehen. Man merkt deutlich, dass Randy Singer Anwalt ist und weiß, worüber er schreibt.

Ich habe schon einige Singer gelesen und war natürlich sehr erfreut, dass endlich mal wieder etwas Neues von ihm bei SCM Hänssler erschienen ist. Nachdem ich Singers „Der Doktor“ seinerzeit tatsächlich nicht zu Ende gelesen hatte, weil ich dachte, der Autor hat seinen Zenit wohl überschritten, sprach mich der neue Titel jedoch wieder an. Vielleicht lag es an der Covergestaltung? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall bin ich dem Verlag sehr dankbar, ein Leseexemplar bekommen zu haben.

„Die Präsidentin“ nahm mich sofort gefangen. Das erste Viertel geht rasant zur Sache. Der SEAL Einsatz im Jemen, die durch Rückblenden integrierte Liebesgeschichte und schließlich das tragische Ende der mehr als heiklen Mission. Was zuerst wie ein heroisch, selbstloser Einsatz mutiger Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit daherkommt (ein bisschen amerikanischer Pathos schwingt dabei schon mit. Darauf muss man sich einlassen können.), wird im Nachgang jedoch zu einem regelrechten Politikum.

Wurden die SEALS bewusst geopfert? War der ganze Einsatz überhaupt rechtens? Wer verschweigt hier Dinge, die nicht verschwiegen bleiben sollten? Wer ist der geheimnisvolle Whistleblower, der sich „Der Patriot“ nennt? Schaffen es die mächtigen Männer in der Regierungsadministration und der CIA ihre Machenschafften zu vertuschen und die Falschen ans Messer zu liefern?

Paige Chambers stellt sich zusammen mit dem Team um den streitsüchtigen Anwalt Wyatt Jackson, einem Gegner, der bereit ist notfalls über Leichen zu gehen, wenn es den eigenen Zwecken dient. Gleichzeitig muss sie mit dem Verlust von Patrick Quillen zurechtkommen und will den Angehörigen des SEAL Teams Gerechtigkeit verschaffen. Das alles kostet sie sehr viel Kraft und es gleich einer Sisyphusarbeit.

Auch für den Leser ist dieser Prozess nach dem actionlastigen Auftakt erst einmal etwas „Arbeit“. Zumindest mir ging es beim Lesen so. Die vielen Beschreibungen von juristischen Erfordernissen und Gerichtsverfahren drohten mich beim Lesen zu ermüden. Hier hätten auch ohne Verlust einige Seiten weggelassen werden können. Doch das ist meine ganz subjektiver Wahrnehmung.

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Aber:

Wer sich, wie ich zum Glück, darauf einlässt und die eben erwähnten langen Passagen durchsteht, der wird mit einem letzten Drittel des Buches belohnt, dass wieder an den Anfang herankommt. Als wäre nach 3/4 des Buches ein Knoten geplatzt, gewinnt „Die Präsidentin“ deutlich an Fahrt und Spannung bis zu einem für mich als Leser versöhnlichen Ende.

Alles in Allem: trotz der meiner Meinung nach im Mittelteil enthaltenen unnötigen Längen, bietet „Die Präsidentin“ einige Stunden spannende Lesevergnügen aber auch Nachdenkliches für die Urlaubszeit.

Ein Thema noch zum Schluss, dass bei mir noch „hängengeblieben“ ist, sind die Droheneinsätze der USA, die im Buch eine wichtige Rolle spielen. Ein Staat der Menschen auf „Abschusslisten“ setzt und diese dann über große Distanzen hinweg mittels ferngesteuerter Drohnen töten lässt, muss sich fragen lassen, inwieweit, bei aller vermeintlichen Boshaftigkeit der Getöteten, solche Einsätze politisch, ethisch und auch völkerrechtlich überhaupt zu vertreten sind. Diese Gedanken begleiteten mich während der Lektüre. Was darf ein Staat alles? Wer überwacht die Entscheidungsträger? Wer denkt sich so etwas aus? Wäre so etwas in unserm Land ebenfalls möglich? Ist es das schon?

Für mich wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig die Kontrollinstanzen unseres Landes sind. Ja, Demonstranten können lästig sein. Journalisten, die unbequeme Fragen stellen, können nerven (so fern es diese Journalisten noch gibt). Endlose Debatten im Parlament über Dinge die gemacht oder unterlassen werden, verlangsamen Entscheidungsprozesse. Aber dies alles verhindert (oder soll zumindest verhindern), dass Macht zum Selbstläufer wird und einzelnen Personen oder Gruppen meinen, alles mit jedem machen zu können.

Bleiben wir also immer wachsam, auch wenn wir uns zwischendurch mit einem guten Buch wie „Die Präsidentin“ aus dem Alltag herausziehen.

Die Präsidentin
Randy Singer
Thriller
SCM Hänssler
Juni 2020
Hardcover
480

Sie rückten aus, um zu befreien. Und bezahlten mit ihrem Leben.

Für das SEAL-Team von Patrick Quillen ist es eigentlich ein Routineeinsatz, den die Präsidentin der USA persönlich befiehlt: Zwei Geiseln sollen aus einem Gefängnis der Huthi Rebellen befreit werden. Doch die Mission scheitert und die ganze Einheit wird getötet.
Die junge Anwältin Paige Chambers, die Verlobte von Patrick, ist geschockt. Als sie auf Geheiminformationen zu dem Einsatz stößt, entschließt sie sich, zu handeln. Sie bringt einen Fall ins Rollen, der das Land spaltet, politische Seilschaften aufdeckt und die Verfassung auf die Probe stellt. Sind vor dem Gesetz wirklich alle gleich?

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