Ist der SCM Shop Fallersleben noch zu retten?

Ein fiktives Interview mit der (ebenfalls fiktiven) Zeitschrift „Der bessere Christ“ (DbC) und Andreas König (AK), Inhaber der Buchhandlung König SCM Shop Fallersleben und Betreiber des Onlineshops buch38.de

DbC: Herr König. Sie haben 2011 eine christliche Buchhandlung in Fallersleben eröffnet. Nun stellen wir und unsere Leser fest, dass man bei Ihnen nicht nur christliche Literatur bekommen kann. Und in Ihrem neuen Webshop buch38.de finden sich sogar Computerspiele und Filme. Sind Sie noch zu retten? Wie stellen Sie sich dazu? Darf man sich dann noch „christlicher Buchhandel“ nennen?

AK (lacht)

DbC: Was gibt es da zu lachen?

AK: Na, wenn Sie das erst jetzt nach 9 Jahren feststellen? Wir waren von Anfang an auch „nicht christlich“ unterwegs. Es gab von Anfang an „jedes Buch“ bei uns zu kaufen. Aber wissen sie, das erinnert mich an etwas Anderes aus unserer Anfangszeit. Damals haben wir eine Umfrage gestartet und die Menschen unserer Region nach Ihrer Meinung zur Eröffnung einer christlichen Buchhandlung befragt. Einer der Antwortenden hatte in den Bemerkungen einen Satz von sich gegeben, der uns damals etwas schockierte, in den folgende Jahren, aber immer wieder zum Kopfschütteln brachte, angesichts der darin versteckten Ahnungslosigkeit von der Materie, über die ein Urteil gefällt wurde.

DbC: Und die Bemerkung lautete?

AK: Es bestünde die „große Gefahr, dass auch diese Buchhandlung irgendwann zu einer säkularen Buchhandlung verkommen würde.“

DbC: Was war daran so schockierend? Passiert das nicht gerade jetzt wo Sie buch38.de geöffnet haben?

AK (wird sehr ernst): Zum einen ist es diese Überheblichkeit, dass „säkulare“, also nicht ausgesprochen christliche Buchhandlungen, per se „verkommen“ wären. Natürlich gibt es in „säkularen“ Buchhandlungen Material, dass keineswegs in eine christliche Buchhandlung gehört. Bis dahin gehe ich ja noch mit.
Aber nur, weil Bücher nicht ins christliche Weltbild zu passen scheinen, bedeutet es nicht a) das deren Inhalt falsch ist und b) das sie zu einer „Verkommenheit“ der Buchhandlung führen, die in Häkchen „solche Dinge“ anbieten. Als Weiteres zeugt diese Aussage von wirtschaftlicher Unkenntnis der Branche. So kommt also zu Überheblichkeit und Pharisäertum noch unqualifiziertes Halbwissen in Reinkultur hinzu.
Was buch38.de anbelangt: diese „Marke“ unserer Buchhandlung gibt es schon seit einigen Jahren. Nur jetzt haben wir sie komplett neu aufgestellt, erweitert und sie schöner, größer, besser gemacht.

DbC: Aber auch säkularer.

AK: Das stimmt so nicht. Auch im „alten buch38.de“ bekam man bereits jedes am deutschen Buchmarkt erhältliche Buch. Auch dort gab es schon Filme und Hörbücher, die nichts mit dem christlichen Glauben zu tun haben. Zum Beispiel Schulbücher. Oder Sachbücher über Modellbau, Gartengestaltung, Gesundheit, Architektur oder Kunst. Dies alles gehört nun einmal zur deutschen Buchhandelslandschaft. Und, um es vorweg zu nehmen: ja, es finden sich im Angebot des deutschen Buchmarktes, das wir bei buch38.de anbieten auch erotische Bücher oder Bücher über Esoterik.

DbC: Warum ist das so? Was unternehmen Sie dagegen?

Werbung

AK: Es gibt solche Bücher nun einmal. Und es gibt Kunden, die möchten sie lesen. Das mag mir nicht gefallen und gerade für die esoterische Klientel haben wir ja wunderbare Bücher, die sicher besser geeignet sind, um das Leben zu erklären. – Aber das nur am Rande.
Auch wenn wir keine ganz kleine Buchhandlung mehr sind, sind wir doch immer noch zu klein, um selbst einen so komplexen Webshop wie buch38.de mit einem so umfangreichen Artikel- und Serviceangebot aufzubauen, zu betreiben und zu warten. Das sprengt alle unsere Möglichkeiten. Deshalb müssen wir auf bereits bestehende Systeme zurückgreifen und uns Partner suchen, mit denen wir in der Lage sind, den Ansprüchen und Erwartungen unser Kundschaft entsprechen zu können. Sowohl beim „alten“ als auch beim „neuen“ buch38.de.
Als ich seinerzeit so ein System suchte, gab es tatsächlich Systeme die z.B. sog. „erotische Romane“ oder esoterisches Material proaktiv und prominent platzierten ohne dass ich darauf Einfluss nehmen konnte. Diese Systeme kamen für mich nie in Frage. Zum Einen, da ich persönlich nicht auf „solche Romane“ stehe und zum Anderen, weil ich eben hier als christlicher Buchhändler in der Verantwortung stehe.

DbC: Dennoch kann man bei Ihnen „solche Bücher“ erwerben…

AK: Das stimmt. An dieser Stelle denke ich sehr liberal und werde mich hüten zu zensieren und/oder zu verurteilen. Das steht mir nicht zu. Ich argumentiere dann gern mit dem Vergleich, dass ich doch gar nicht weiß, ob ein Kunde, der ein esoterisches Buch bei mir bestellt, es aus esoterischem Interesse heraus lesen möchte, oder ob diese Person sich einfach nur ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen will? Es ist doch immer gut zu wissen, worüber man redet oder wogegen man ist. Wer hier seriös und gewissenhaft arbeitet, muss sich auch entsprechend bilden.
Und was die anderen Bücher anbelangt: Wenn Christen, wie (gefühlt) alle anderen auch, bei Amazon einkaufen gehen, werden sie dort ebenfalls mit „solchen Büchern“ konfrontiert. Da stört sie das aber offenbar nicht? Warum also bei uns? Sorry, an der Stelle nehme ich „gleiches Recht für alle“ in Anspruch.

DbC: Aber was ist mit Ihrem Anspruch als christlicher Buchhändler? Wie können Sie sich dabei treu bleiben?

AK: Ich denke, wir werden diese Frage nicht abschließend klären können. Das Leben besteht aus Kompromissen. Wenn ich meine Buchhandlung, die vom christlichen Wertesystem geprägt ist und dies auch bleiben soll – denn „das Christliche“ ist und bleibt unsere Kernkompetenz – weiterhin erfolgreich betreiben möchte, dann benötige ich aus kaufmännischer Sicht Umsätze des säkularen, also des nicht christlichen Marktes. Dann muss und werde ich Romane des allgemeinen Buchmarktes verkaufen. Und ich werde natürlich Schulbücher anbieten. Und Sachbücher und Gartenbücher und Kochbücher und Reiseführer und Ebookreader und Spiele usw. An der Stelle sind wir wie „alle anderen“ Buchhandlungen auch. Wir brauchen diese Diversifikation, um am Markt bestehen und den Kunden von heute das bieten zu können, was sie erwarten dürfen.
Und mit diesen Umsätzen stützen wir quasi unser christliches Kernsortiment und können es erhalten, damit wir die gute Botschaft von Jesus Christus weitergeben können. Auf unsere ganz eigene und vielleicht auch spezielle Art und Weise.

DbC: Verärgern Sie damit nicht Ihr bibeltreues Publikum?

AK: Dann dürfte ich ebenfalls keine Bücher bei mir kaufen gehen. Denn auch ich zähle mich – da bekenne ich mich schuldig – zu den „Bibeltreuen“. Die Bibel ist die Grundlage meines Glaubens. Die Bibel und meine persönlichen Erfahrungen mit Gott und Jesus Christus. Mehr habe ich nicht. Aber darauf baue ich.
Würde ich sonst machen, was ich mache?
Und was heißt „verärgern“?
Es gibt ein Sprichwort, das besagt sinngemäß: „Mach‘ was du willst, die Leute werden trotzdem reden.“, also sich das Maul zerreißen, es besser wissen, etwas daran auszusetzen haben. Schaue ich mich in der Welt um, dann sehe ich Unmengen von hauptamtlichen „Bedenkenträgern“. Ehrlich? Das sind alles Menschen, die im eigentlichen Sinne „Bremser“ sind. Sobald etwas anders ist oder wenn es so etwas noch nie gegeben hat oder wenn es zu modern oder zu alt oder zu einfach oder zu komplex ist – diese Menschen werden IMMER etwas daran auszusetzen haben.
Es fällt mir zwar nicht immer ganz leicht, aber ich lerne immer mehr mich nicht mehr um die Einwände dieser Dauernörgler und Zeigefingerheber zu scheren. Mag jeder erst einmal vor seiner eigenen Haustür kehren oder es einfach besser machen.

DbC: Das sind deutliche Worte.

AK: Ich denke so kennt man mich. – Das ist im Übrigen völlig biblisch: „Eure Rede sei ja, ja und nein, nein“ heißt es dort. Und danach handele ich.

DbC: Und deshalb bieten Sie bei buch38.de eben viel mehr als „nur rein Christliches“ an?

AK: Exakt so ist es. Christlicher Buchhandel ist und bleibt unser Schwerpunkt, aber um diesen Halten zu können, sind wir eben auch als „normale“ Buchhandlung unterwegs. Die Buchhandlung SCM Shop Fallersleben ist für alle Menschen da. Wir sind jedem wohlgesonnen, der zu uns kommt oder mit uns in Verbindung steht. Egal welcher Haut- oder Haarfarbe, Abstammung, Muttersprache, Religion oder Unglaube. Das ist uns egal.
Deshalb müssen wir nicht mit jeder Lebens-, Glaubens- oder politischen Ansicht dieses Menschen übereinstimmen oder sie akzeptieren. Aber wir können sie tolerieren. Genauso, wie wir Toleranz gegenüber unserem Glauben erwarten. So funktioniert das bei uns. – Und ich wünschte, das wäre überall so.

DbC: Vielen Dank für das Gespräch.

Werbung

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.